Dämmung von Außenwänden

 



Vorrangig sind bei der Altbausanierung oftmals die Dämmung nach oben und unten.

 

1. Wärmeschutz der Außenwände verbessern
Die Gebäudedämmung ist eine wesentliche Säule des energiesparen Bauens und Wohnens. Ein Großteil der Wohngebäude in Deutschland weist einen unzureichenden, weit hinter den heutigen  technischen Möglichkeiten zurückbleibenden Wärmeschutz der Außenwände auf. Das Bild rechts verdeutlicht die Wärmeverluste von dickem aber stark wärmeleitenden Lochziegelmauerwerk. Je nach Gebäudetyp gehen bis zu 40 % des jährlichen Heizenergieverbrauchs durch die Außenwände verloren. Ungedämmte Wände sind auch oftmals eine Ursache für ein unbehagliches Wohnklima bei tiefen Außentemperaturen, für Zugerscheinungen und zusammen mit anderen Faktoren für Feuchte- und Schimmelbildung in Raumecken. Die Dämmung erhöht innen die Oberflächentemperatur der Außenwand einer Altbauwohnung an kalten Wintertagen um mehrere Grad Celsius. Warme Wände sind wichtig für die Wohnbehaglichkeit. Durch sorgfältige nachträgliche Außenwanddämmung in Altbauten können die Energieverluste durch die Wände um mindestens 75 % reduziert werden. Im Neubau lassen sie sich durch einen - verglichen mit der gesetzlichen Mindestanforderung - erhöhten Dämmstandard mindestens halbieren. Von den Dämmstoffen selbst geht keine Gefahr für die Wohngesundheit aus: Sie werden außen angebracht, verputzt und stehen nicht in Verbindung zur Innenraumluft. Im Gegenteil: Die erzielte Energieeinsparung entlastet die Umgebungsluft von Schadstoffen aus der Heizung. Bei einer Einsparung von 800 bis 1.000 Liter Heizöl bzw. m³ Erdgas für ein älteres Einfamilienhaus können der Umwelt jährlich zwischen 2,5 - 3 Tonnen CO2, 4 - 5 kg SO2 (Ölzentralheizung) und 1 - 1,8 kg NOx (Öl-Gaszentralheizung) erspart bleiben.

2. Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS)

Das WDVS besteht aus Dämmstoffplatten, die direkt auf das Mauerwerk (Neubau) oder den vorhandenen Außenputz (Altbau) aufgeklebt und je nach Untergrund auch gedübelt werden können. Auf die Dämmschicht wird der Armierungsmörtel mit einem eingebetteten Gewebe aufgetragen. Dieser Aufbau kann Dehnungsspannungen aufnehmen und bietet die Grundlage für die Außenbeschichtung. Sie kann aus Kunstharzputz, Kalk-Zementputz oder auch aus Flachverblendern o. ä. bestehen.

 

Das Wärmedämmverbundsystem besteht aus aufeinander abgestimmten Materialien des jeweiligen Anbieters. In Deutschland angebotene Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) müssen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung haben. Eine sorgfältige Ausführung ist unerlässlich und sollte nur vom Fachbetrieb (Maler, Putzer, Baufirmen) vorgenommen werden.

 

Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) wird seit 50 Jahren ausgeführt und ist der Marktführer bei der Wanddämmung in Hessen. Es hat sich längst bewährt, hessische Wohnungsbaugesellschaften haben schon Millionen Quadratmeter Außenwände damit gedämmt. Außenwände weisen bis 1977 einen U-Wert von 1,2 bis 1,5 W/(m²K) auf und erzeugen damit meist die größten Wärmeverluste am Haus. Die Heizenergieeinsparung beträgt beim Einfamilienhaus 15 bis 25 % durch Außenwanddämmung. Bei Mehrfamilienhäusern kann sie je nach Flächenanteil der Wände bis zu 50 % betragen. Eine ohnehin geplante Putzerneuerung ist der richtige Zeitpunkt für ein WDVS.

2.1 Dämmstoffe

Die Dämmsysteme besitzen eine bauaufsichtliche Zulassung und bestehen aus Dämmstoff, Glasseidengewebe und Putz/Kleber. Die Dämmstoffauswahl ist breit:

 

Polystyrol-, Steinwolleplatten, Schaumglas-, Kork-, Holzweichfaserplatten oder Mineralschaumplatten stehen zur Verfügung. Wer höheren Brandschutz benötigt, wählt unbrennbare Steinwolleplatten. Als übliche Wärmeleitfähigkeit des Dämm-Materials setzen sich heute 0,035 bis 0,032 W/(mK) durch. In besonders verkehrslärmbelasteten Wohnlagen verbessern Steinwolleplatten oder besonders dafür ausgerüstete Hartschaumplatten den Schallschutz der Wand. Ein WDVS hält die Wand warm und kann den im ungedämmten Zustand vorhandenen rechnerischen Tauwasserausfall nach DIN 4108 auf null reduzieren.

2.2 Dämmdicke

Als Dämmschichtdicke empfehlen wir mindestens 12 cm, wie es auch seit 2009 die EnEV fordert (U-Wert von 0,24 W/(m²K)). Eine solch dicke Dämmung reduziert die Energieverluste über die Außenwände um 80 %. Ab 16 cm Dicke wird das WDVS auch vom CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW gefördert (www.kfw.de). Dämmschichtdicken bis 35 cm wurden schon ohne technische Probleme ausgeführt. Wichtig ist, auch den Kellersockel mit zu dämmen. Hier kann die Dämmschicht 8 bis 10 cm betragen. Die Dämmplatten sollten auch die Fensterrahmen um3 cm überdecken, um deren Wärmebrückenwirkung zu reduzieren.

2.3 Ausführung

Als verputztes Dämmsystem wird es außen auf die Wand aufgebracht. Nach der Verklebung der Dämmplatten auf den alten, noch tragfähigen Untergrund, werden diese verdübelt. In einen Unterputz wird ein Glas-Seiden-Gewebe eingebettet, das Wärmespannungen ausgleicht. Diese Schichtenfolge erhält schließlich ihre Endbeschichtung. Diese kann als mineralischer Putz ausgeführt werden. Mineralische Putze, Platten- und Riemchenverkleidungen sind möglich. Alle Bestandteile des WDVS müssen vom gleichen Hersteller stammen.

 

Der Altputz muss nicht abgeschlagen werden, wenn er noch tragfähig ist, was Kosten und Nerven spart. Fehlt am Giebel ein genügender Dachüberstand, so kostet dessen Herstellung beim Einfamilienhaus ca. 600 bis 1.000 Euro. Wird zu einem früheren Zeitpunkt das Dach erneuert, sollte deshalb gleich daran gedacht werden. Die Fenster werden am besten nach vorne außenbündig mit der Wand gesetzt, oder die Laibung wird mit 2 bis 3 cm Dämmplatten versehen. Bei aufsteigender Feuchte in der Wand sollte diffusionsoffene Mineralwolle als Dämmstoff gewählt oder, noch besser, eine Vorhangfassade eingesetzt werden.

2.4 Kosten und Wirtschaftlichkeit

Die Gesamtkosten für das System liegen bei 90 bis 140 Euro pro m². Davon entfallen 30 bis 50 Euro pro m² auf die Ausführung der Dämmung, der größte Teil auf die Erneuerung des Putzes. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Dämmung der Wand mit einer ohnehin anstehenden Putzerneuerung zu verbinden. Die Amortisationszeit liegt häufig bei 10 bis 14 Jahren. Über die gesamte Lebensdauer von mindestens 50 Jahren machen sich die Mehrkosten für die Dämmung mehrfach bezahlt.

2.5 Weitere Vorteile

Dem WDVS wurde in früheren Jahren nachgesagt, dass es eine »Atmung« der Wand behindere. Dies beruht auf einer falschen Vorstellung vom Wasserdampfdurchgang durch eine Wand und hat sich auch nicht bewiesen. Es empfiehlt sich zum richtigen Verständnis der feuchtetechnischen Vorgänge im Haus der Film »Wasserdampfdiffusion im Bauwesen« unter www.energiesparaktion.de. Gedämmte Wände sind trockene Wände. Die Fähigkeit des Innenputzes wird verbessert, Wasserdampfüberschüsse der Raumluft etwa beim Kochen und Baden aufzunehmen und später wieder abzugeben. Auch die Behaglichkeit im Haus steigt. In kalten Wintern liegt die Temperatur der Innenoberfläche der Außenwände nicht mehr bei 11 bis 15 °C, sondern bei 19 °C. Im Sommer hält die Dämmung die Sonnenwärme von der Wand fern; kühlere Räume sind die angenehme Folge, gerade in Hitzeperioden.

 

Weitergehende Infos:
Energiesparinformation 2
Wärmedämmung von Außenwänden mit dem Wärmedämm-Verbundsystem
Die Broschüre liefert Wissenswertes über die Außenwanddämmung bei Alt- und Neubauten

 

3. Dämmverfahren für Altbauten...

Ein Großteil der Bestandsgebäude kann durch die Dämmung mit einem WDVS wärmetechnisch verbessert werden. Das System eignet sich besonders für einschalige, verputzte Wände, aber auch Wände mit Vormauerschale können damit gedämmt werden. Nur bei strukturierten Fassaden (z. B. Gründerzeit-, Jugendstilhäusern) oder Sichtfachwerk ist das WDVS weniger geeignet.

 
3.1 Fassadenrenovierung - Ein richtiger Zeitpunkt für die Dämmung

Die Ausführung eines Wärmedämmverbundsystems lässt sich optimal mit ohnehin anstehenden Instandsetzungsmaßnahmen an jeder Fassade verbinden:

 

- Putzsanierung bzw. -erneuerung

 

-  Neuanstrich

 

- Sanierung von Betonwetterschalen (Plattenbauweise)

 

- Betonsanierung

 

- Rissesanierung in der Fassade.

In diesen Fällen entstehen ohnehin Kosten für Baustelleneinrichtung, Gerüst und evtl. Sanierungsarbeiten, so dass Kosten für die Dämmung nicht so stark ins Gewicht fallen. In manchen Fällen entfallen sogar Teile der üblichen Sanierungskosten, wenn z. B. auf das Abschlagen des Altverputzes (7,50 - 20 €/m²) oder auf einige Arbeitsschritte bei der Betonsanierung (25 - 75 €/m²) verzichtet werden kann.

3.2 Auch dicke, massive Wände schützen schlecht gegen Wärmeverluste
Das Argument, die Hauswände seien doch bereits ausreichend dick und brauchten deshalb nicht gedämmt werden, führt in die Irre: Entscheidender als die Dicke ist für den Wärmeschutz die Wärmeleitfähigkeit des verwendeten Wandbaustoffes. Die schweren Wandbaustoffe, aus denen ältere Wände bestehen - etwa das Vollziegelmauerwerk - leiten Wärme leider sehr gut nach außen ab, so dass sie einen schlechten Wärmeschutz aufweisen (U-Werte* um 1,4 W/(m²K). Eine nachträgliche Wärmedämmung reduziert die Wärmeverluste um bis zu 80 bis 90 %.

4. Dämmung von Neubauten

Für geplante Neubauten sowie Um- und Ausbauten, deren Wandaufbau mehr als 50 Jahre zu bestehen hat, sollte guter Wärmeschutz als Zukunftsvorsorge selbstverständlich sein. Für den Bau eines Niedrigenergiehauses sind U-Werte von 0,1 bis 0,2 W/(m²K) erforderlich. Das entspricht bei einem guten Dämmstoff, dessen spezifische Wärmeleitfähigkeit bei 0,035 W/(mK) liegt, Dämmstärken von 16 bis 33 cm (vergl. Energiesparinformation Nr. 3). Aber auch die Baustoffe haben sich weiterentwickelt. Grundsätzlich ist heute auch der Bau von Niedrigenergiehäusern mit dämmstoffgefüllten Ziegeln oder Porenbetonsteinen möglich, wenn ausreichend große Bauteilstärken gewählt werden.

 

4.1 Schlanke Außendämmung aus hochwertigen Materialien

In vielen älteren Gebäuden wäre eine den Anforderungen und der Gesetzeslage entsprechende Dämmstärke von mehr als 12 cm ein gestalterisches Problem.

 

Es ergäben sich Versprünge zum Nachbarhaus, Ornamente würden nicht mehr hervortreten, der Dachüberstand müsste auch verändert werden. Insgesamt verändern sich die Proportionen des

 

Gebäudes. Aus diesem Grund ist die Baustoffindustrie bemüht Materialien zu entwickeln, die deutlich besser isolieren als Standarddämmstoff.

 

• Bei Vakuumisolationspaneelen kurz VIP handelt es sich um Folienbeutel (ähnlich denen für

 

vakuumverpackten Kaffee) die mit dem Mineral „pyrogene Kieselsäure“ gefüllt sind. Ihre Dämmwirkung ist etwa 10mal besser als die von Standarddämmstoff. Eine Schwachstelle ist die Verletzbarkeit dieser Elemente bei der Verarbeitung oder später durch Einstich oder Stoß.

 

Allerdings hat ein zerstörtes VIP immer noch eine zweimal bessere Dämmwirkung verglichen mit Standarddämmstoff. Durch die Beschichtung der VIP´s mit Polystyrol oder Faserzementplatten kann das Verletzungsrisiko stark vermindert, aber nicht ganz beseitigt werden. Problematisch ist deshalb bei diesem Material die Gewährleistung, weil Hersteller und Verarbeiter nicht für eine dauerhaft hohe Dämmwirkung garantieren können. So verbleibt das Risiko des Ausfalls von VIPs beim  Bauherren.
• Bei Phenolharzschaum (Handelsname Resol) handelt es sich um einen Dämmstoff, der ganz ähnlich dem bekannten Polystyrol verarbeitet werden kann. Einziges Problem: Bei längerem Kontakt mit  Feuchte kann er quellen. Deshalb nicht außen am Sockel verwenden.
• Polyurethan ist seit langem eingeführt und ist ebenfalls ein Schaumstoff, der aus  Mineralölprodukten gewonnen wird.

Generell ist die Herstellung solch hochwertiger Dämmstoffe jedoch aufwändig und dementsprechend

teuer. Im Falle einer Vakuumdämmung liegen die Preise etwa doppelt so hoch, wie bei einer genauso wirksamen Schicht aus konventionellem Material. In vielen Fällen kann jedoch die Denkmalpflege diese Mehrkosten übernehmen, um das Erscheinungsbild der Gebäude zu erhalten.

5. Kann die Wand (noch) atmen?

Oft werden Dämmmaßnahmen mit dem Argument unterlassen, die „Atmung“ der Wand werde beeinträchtigt. Außenwände sind jedoch nicht luftdurchlässig. Der einzig messbare Stoffdurchgang durch massive Bauteile ist die Diffusion von Wasserdampfmolekülen, die jedoch wenig erwünscht ist, da sie Bauschäden verursachen kann. Für die Schaffung gesunder Raumluftverhältnisse ist dieser „Austausch“ nicht ausreichend.

 

Wird z. B. bei einem Einfamilienhaus die Außenwand nachträglich mit Polystyrol-Platten gedämmt, vermindert sich die durch die gesamte Außenwand (120 m²) diffundierende Wassermenge um maximal 90 Liter pro Heizperiode. Im gleichen Zeitraum verdunsten in dem Gebäude durch Kochen, Duschen etc. 1.500 - 2.000 Liter Wasser.

 

Für ein Badezimmer mit 7 m² Außenwandfläche bedeutet das: Die Diffusion ist ein so langsamer Vorgang, dass von den jeden Morgen freigesetzten 1.200 Gramm Wasserdampf (Duschen von 3 Personen) in 24 Stunden nur maximal 60 Gramm durch die ungedämmte Wand diffundieren können. Nur Lüftung sorgt für einen ausreichenden Abtransport der Feuchtigkeit.
Wer sich auf die „Atmung“ der Außenwände verlässt, lebt folglich in einem sehr ungesunden, feuchten Raumklima. Die Dämmung schafft auch keine „dichte“ Wand: Durch Mineralwolle wandert

 

Wasserdampf genauso problemlos wie durch Luft.
Polystyrol-Platten sind nicht dampfbremsender als Holz. Äußere Riemchen-, Spaltverblender- oder Keramikverkleidungen sind um ein Mehrfaches „dichter“ als das WDVS. Grundsätzlich ist eine ausreichende Wohnungslüftung der entscheidende Punkt für gesunde Raumluftverhältnisse.

6. Lebensdauer des Wärmedämmverbundsystems

Wärmedämmverbundsysteme werden seit Beginn der 1970er Jahre montiert und wurden seitdem auf vielen Mio. Quadratmetern angebracht. In diesen fast 50 Jahren wurden die Verarbeitungsqualität, die Standfestigkeit sowie Verschmutzung und Bewuchs in mehreren Untersuchungen vom Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) untersucht und bewertet. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Fassaden mit und ohne Wärmedämmverbundsystem bezüglich Haltbarkeit und erforderlichem Wartungsaufwand kaum voneinander unterscheiden. Wände mit WDVS sind insgesamt trockener und kleinere Setzrisse in der Fassade werden von der Dämmung überbrückt.

 

Auf stark bewitterten Wandflächen ist hingegen eine leicht vergrößerte Anfälligkeit gegen mikrobiellen Bewuchs festzustellen. Dass sekrechte Flächen, die der Witterung ausgesetzt sind, nach einiger Zeit von Lebewesen besiedelt werden, ist normal. An Baumrinden und Felswänden lässt sich das beobachten. Diese Tatsache ist sogar Ausweis einer besseren Luftqualität. Vor etwa 1980, als der Europäische Kraftwerkspark noch nicht entschwefelt war, gab es weniger Probleme mit dem Bewuchs auf Fassadenflächen. Die Besiedelung mit Algen, Moosen und Flechten stellt ein ausschließlich ästhetisches Problem dar. Die Funktion und die Haltbarkeit des Systems werden dadurch in keiner Weise beeinträchtigt.

 

Dass Wärmedämmverbundsysteme etwas schneller von Algen, Moosen und Flechten besiedelt werden, hat zwei Gründe:

 

Die Putzschicht auf dem WDVS hat keinen thermischen Kontakt zum Mauerwerk und kühlt demzufolge nachts schneller ab. Deshalb schlägt sich auf der Fläche häufiger Tau nieder - ähnlich wie auf einem Auto, das im Freien abgestellt ist.

 

Nach einer Befeuchtung durch Regen oder Tau in der kalten Jahreszeit trocknet die Oberfläche nicht so schnell ab, weil sie nicht von innen erwärmt wird. Diesen Wärmestrom zu unterbrechen ist ja auch genau das, was durch das Aufbringen der Dämmschicht erreicht werden sollte — völlig unabhängig von dem verwendeten Material. Es ist allerdings weder finanziell noch ökologisch eine akzeptable Lösung, um eventuellen Bewuchs zu verhindern, viele Zehntausend Liter Öl zu verbrennen, damit die Wände immer „schön trocken“ geheizt werden.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Bewuchs der Fassade zu verhindern bzw. deutlich zu verzögern:

 

- Das wirksamste Mittel, insbesondere bei kleineren Gebäuden, ist ein etwas vergrößerter Dachüberstand. Dieser vermindert nicht nur die Schlagregenbelastung, sondern verringert auch die Wärmeabstrahlung gegen den kalten Nachthimmel. Dadurch schlägt sich weniger Tau nieder.

 

-Siliconharzfarben weisen Wasser und Staubpartikel, die den Kleinstlebewesen als Nahrung dienen, ab und verzögern so die Besiedlung der Flächen.

 

- Bei der Planung des Hauses sollte darauf geachtet werden, dass sich keine Wasser-Ablaufnasen bilden. Kritische Stellen können z. B. die Kanten von Fensterbänken oder einbindende Vordächer sein.

 

- Die Verwendung biozider (pflanzengiftiger) Zusätze in Fassadenfarben ist umstritten, weil zum einen ihre Wirkung zeitlich begrenzt ist, sie zum anderen aber die Gewässer belasten können. Sprechen Sie mit Ihrem Fachbetrieb darüber, ob der Einsatz solcher Mittel an Ihrem Gebäude nötig ist.

Bei sorgfältiger Planung und fachgerechter Ausführung wird das Wärmedämmverbundsystem unter dem Strich nicht mehr Wartung erfordern als eine verputzte einschalige Wand. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) veranschlagt die Lebensdauer von Wärmedämmverbundsystemen nach neuesten Forschungen in einer Größenordnung von 40 bis 60 Jahren.

6.1 Kosten des Wärmedämmverbundsystems

Die Kosten des Wärmedämmverbundsystems können je nach Dämmstärke, Material und Objektgröße sehr unterschiedlich sein. Für eine Dämmung im Rahmen einer Altbausanierung mit 15 cm dicken Polystyrol-Platten ergeben sich typischerweise Kosten in einer Größenordnung von 123 € je Quadratmeter Wandfläche. Dieser Wert wurde aktuell 2010 durch die Analyse von Kostendaten aus 230 durch die deutsche Energieagentur DENA geförderten Projekten ermittelt. Für ein Einfamilienhaus mit 150 m² Außenwandfläche liegen die Gesamtkosten also bei etwa 18.000 Euro. Wird die Wärmedämmung mit einer ohnehin nötigen Putzsanierung verbunden, dann liegen die Mehrkosten für die Energiesparmaßnahme in einem Bereich von ca. 50 €/m², da der Aufwand für Gerüst, Putzgrundierung, -ausbesserung oder Neuverputz ohnehin erforderlich wäre. Das bedeutet, dass Sie für den eigentlichen Wärmeschutz nur etwas mehr als 7.500 € ausgeben müssen. Kann durch die Anbringung eines Wärmedämmverbundsystems auf das Abschlagen des Altverputzes verzichtet werden, reduzieren sich die Zusatzkosten weiter auf 20 bis 35 €/m², entsprechend 3.700 € für das Beispielhaus.

7. Wärmeschutz als Kapitalanlage

Energiesparinvestitionen zahlen sich selbst über die verminderten Heizkosten zurück. Die Berechnung, die der Grafik rechts zu Grunde liegt, geht davon aus, dass die gesamte Wohnfläche durchgängig auf 20° C beheizt wird. Werden Teile des Gebäudes weniger beheizt, fällt die Ersparnis geringer aus. Liegen hingegen die mittleren Raumtemperaturen höher, wird sie sogar über den berechneten Werten liegen. Die Stärke einer einmal angebrachten Dämmung lässt sich nachträglich nur mit unverhältnismäßig hohem finanziellen Aufwand verändern. Für deutlich höhere Dämmstoffdicken als die bisher häufig verwendeten 10 cm sprechen:

 

- Der lange Nutzungszeitraum von deutlich mehr als 25 Jahren, auch im Hinblick auf die für diesen Zeitraum zu erwartenden Energiepreissteigerungen

 

- Der geringe Anteil des Dämmstoffs an den Gesamtkosten (um 20 %) und seine absolute Bedeutung für die Einsparung

 

- Die geringen zuwachsenden Kosten pro cm Dämmschichtdicke: 1,00 bis 2,50 €/m² (Polystyrol)

 

- Wirtschaftliche Gesamtkostenrechnungen zeigen, dass das Optimum z. Zt. bei U-Werten von 0,3 bis 0,15 W/m²K liegt.
 

Bei einer fälligen Fassadensanierung sollte die Chance für die Anbringung eines Wärmeschutzes nicht verpasst werden!

8. Energie- und Umweltbilanz positiv

Betrachtet man auch die bei der Herstellung der Dämmung anfallenden Emissionen im Vergleich mit den jährlich ersparten Mengen aus der Heizung, so werden bei Dämmstärken unter 20 cm bereits im ersten Winter mehr Emissionen eingespart als bei der Herstellung des Wärmedämmverbundsystems auftraten. Nach den allgemein gültigen Regeln für Ökobilanzen, die in der ISO-Norm 14041 festgelegt sind, wurde der Primärenergieverbrauch zur Herstellung und Verarbeitung von Wärmedämmverbundsystemen aus unterschiedlichen Materialien ermittelt. Er entspricht für einen Quadratmeter Wandfläche, je nach Art des Systems, dem Verbrauch von 6 bis 7,5 Litern Rohöl (Schichtdicke der Dämmung = 15 cm). Dabei ergeben sich keine relevanten Unterschiede bezüglich der Verwendung von Polystyrolschaum- oder Mineralfaserdämmstoffen. Die Differenzen für den Energieeinsatz zur Herstellung der verschiedenen Putze dominieren.

Möchte man die Energiemenge abschätzen, die das System insgesamt einsparen wird, muss man den U-Wert der ungedämmten Wand kennen und eine Nutzungsdauer annehmen. Der Ausgangs- U-Wert ist abhängig von der Wandstärke und der spezifischen Wärmeleitfähigkeit des verwendeten Baustoffes. Für Bestandsgebäude mit einem Baualter vor 1980 sind Wand-U-Werte in einer Größenordnung zwischen 0,9 bis 1,8 W/(m²K) typisch. Bei den meisten Gebäuden ab Baujahr ca. 1970 sollten sich Angaben zum U-Wert (früher k-Wert) der Wände in den Bauunterlagen finden.

9. Genehmigungspflicht und Denkmalschutz

Auch wenn die Anbringung von Wärmedämmverbundsystemen auf Fassaden baurechtlich in der Regel genehmigungsfrei ist, so sind dennoch alle Außendämmungen und energetischen Verbesserungen am Gebäude denkmalrechtlich anzeige- und genehmigungspflichtig.

 

Erkundigen Sie sich daher zuerst bei den Denkmalschutzbehörden der Kreise und kreisfreien Städte oder beim Landesamt für Denkmalpflege, ob Ihr Haus unter Denkmalschutz steht und welche Möglichkeiten zur Energieeinsparung bei einem Baudenkmal bestehen.

 

Für Baudenkmäler (Gesamtanlagen, Einzelkulturdenkmäler, Sachgesamtheiten) gelten in der EnEV 2009 verminderte Anforderungen. Bescheinigungen und Informationen erhalten Sie dazu vom Landesamt für Denkmalpflege (www.denkmalpflege-hessen.de).

10. Die Energieeinsparung in Ihrem Fall ...

... können Sie sich von einem Energieberater berechnen lassen. Er gibt darüber hinaus Anregungen, wie dick die Dämmung optimalerweise ausgeführt werden kann und welche weiteren Sparmaßnahmen sich mit der Außenwanddämmung bei Ihrem Gebäude gut kombinieren lassen. Er erläutert auch, auf welche Details es bei der Ausführung ankommt. Auf den Internetseiten der Hessischen Energiesparaktion www.energiesparaktion.de finden Sie eine Liste der Energieberater in Hessen. Dort können Sie auch die Unterlagen zum Hessischen Energiepass herunterladen. Wenn Sie den Fragebogen einsenden, erhalten Sie für 37,50 € eine Energiebilanz Ihres Hauses, eine Liste von Sanierungsvorschlägen und den voraussichtlichen Energiebedarf nach der Sanierung.

11. Fördermittel

Die öffentliche Hand fördert das Energiesparen an Wohngebäuden auf mehreren Wegen. Die Programme dazu werden ständig weiterentwickelt und angepasst. Deshalb können in dieser Druckschrift nur grob die Struktur dargestellt und die wichtigsten Ansprechpartner genannt werden.

 

Folgende Institutionen sind Ansprechpartner für alle Interessierten, die in Maßnahmen zur Energieeinsparung investieren möchten:

 


a) Bundesprogramme:

 

– Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Servicetelefon: 06196 - 908-0 Postanschrift: Frankfurter Straße 29-35, 65760 Eschborn Die Vor-Ort-Beratung durch einen Energieberater, die Ihnen einen Überblick über die technischen Möglichkeiten an Ihrem Gebäude, die entstehenden Kosten und die Quellen für Fördermittel gibt, wird vom BAFA gefördert. Die aktuellen weiteren Programme zum Beispiel zur Förderung regenerativer Energien und deren Förderkonditionen können Sie auf den Internetseiten nachlesen. www.bafa.de

 

– KfW Bankengruppe Info-Center, Servicetelefon: 0180 1335577 Beratungszentrum: Bockenheimer Landstraße 104, 60325 Frankfurt a.M. Die Durchführung von Dämmmaßnahmen an Gebäuden sowie der Einbau moderner Heizungs- und Lüftungstechnik, werden von der KfW-Bankengruppe durch zinsverbilligte Kredite oder direkte Zuschüsse gefördert. Die aktuellen Programme und Konditionen werden jeweils auf der Internetseite der KfW veröffentlicht. www.kfw.de

 


b) Programme des Landes Hessen:

 

– Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, WI-Bank Postanschrift: Strahlenbergerstraße 11, 63067 Offenbach am Main Telefon: 069 - 9132-01 Einzelheiten zu den hessischen Förderprogrammen finden Sie auf der Internetseite der WI-Bank. www.wibank.de

12. Algenbefall

Die Luftreinhaltung reduzierte das SO2 in der Außenluft. Dadurch sind die Algen auf dem Vormarsch, die nun alles besiedeln, vom Buswartehäuschen über die Ziegelvormauerung und dem Verkehrsschild – bis zur gedämmten Fassade. Die Alge ist kein Schaden, denn der Algenstoffwechsel greift den Putz nicht an, sondern sieht lediglich hässlich aus. Gegen Algen können wir uns nicht wehren:

 

Sie sind die robusteren und älteren Erdbewohner. Wir können ihnen nur ihre Lebensbedingungen verschlechtern, denn die Alge braucht Wasser: Mineralischer Putz trocknet schnell ab, Glattputz behindert die Feuchteaufnahme, dicke Putze (2 cm) feuchten relativ nicht so stark auf, nur in Ausnahmefällen: Fungizide Anstriche. Weitere Maßnahmen werden zurzeit noch erforscht.

 

Film zum Thema


13. Dämmung der Außenwand mit Vorhangfassade

Die Vorhangfassade bietet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten für die Fassade. Der »Vorhang« kann aus Holz, Faserzementplatten, Naturstein, Metall- und Tonplatten, Glas usw. bestehen. Diese Verbesserung der Gebäudeansicht hat ihren Preis: 80 % der Kosten entfallen auf den Vorhang. Die Wärmedämmung fällt mit 25 bis 40 Euro pro m² Dämmung bei Gesamtkosten von 100 bis 300 Euro pro m² weniger ins Gewicht.

13.1 Konstruktion

Der Vorhang wird durch eine Unterkonstruktion aus Holzlatten oder Aluminiumprofilen auf der Wand gehalten.

 

Dazwischen werden die Wärmedämmplatten geklemmt und mit wenigen Haltern auf der Wand angepresst. Die Plattenoberfläche ist z. B. durch eine Vliesbeschichtung gegen Luftdurchströmung geschützt. Zwischen Vorhang und Dämmung befindet sich ein Belüftungsraum von mindestens zwei Zentimetern. Durch die Belüftung kann zwischen die Plattenfugen eindringendes Regenwasser und von innen nach außen diffundierender Wasserdampf abtrocknen. Die Belüftung ist kein »bauphysikalischer Vorteil «, sondern gleicht den Nachteil des gegenüber Putz dampfdichteren Vorhangmaterials aus. Die Vorhangfassade kann dadurch mit diffusionsoffenen Dämmstoffen auch bei leicht durchfeuchteten älteren Wänden eingesetzt werden, da eine Abtrocknung der Wandfeuchte in den Belüftungsraum gegeben ist.

13.2 Dämmdicke

Als Dämmschichtdicke empfehlen wir mindestens 12 cm, dies fordert auch die EnEV 2009. Hiermit haben Sie die Energieverluste über Ihre Außenwände um 80 % reduziert.

 

Eine kluge Entscheidung, angesichts steigender Energiepreise. Die Vorhangfassade wird auch vom CO2-Gebäudesanierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau, www.kfw.de, gefördert. Die Heizenergieeinsparung durch eine Außenwanddämmung beträgt beim Einfamilienhaus 15 bis 25 %. Die Dämmung erhöht die Behaglichkeit im Haus. Selbst in kalten Wintern bleiben die Außenwände innen 17 bis 19 °C warm. Im Sommer hält die Dämmung die Sonnenwärme von der Wand fern, kühlere Räume sind die angenehme Folge.

 

13.3 Dämmstoffe

Als Dämmstoffe kommen Stein- und Glaswolle-, Hartschaum-, Holzweichfaser- und Zelluloseplatten usw. in Frage. Sogenannte Fassadendämmplatten sind für die Außenwanddämmung zugelassen. Da die Dämmplatten nicht tragfähig sein müssen, sind sie kostengünstig. Als Wärmeleitfähigkeit des Dämm-Materials ist heute 0,035 bis 0,032 W/(mK) üblich. Wichtig ist, auch den Kellersockel bis 50 cm unter die Kellerdecke zu dämmen. Hier kann die Dämmschicht 8 bis 10 cm betragen. Sie muss gegen Feuchte unempfindlich sein und wird z. B. auf den Sockelputz aufgeklebt und neu verputzt. Fehlt ein breiter Dachüberstand, muss dieser erstellt werden. Die Kosten betragen beim Einfamilienhaus ca. 600 bis 1.000 Euro. Wird zu einem früheren Zeitpunkt das Dach erneuert, sollte deshalb gleich daran gedacht werden. Laibungen werden mitgedämmt oder die Fenster nach vorne versetzt.

Auch aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf können ökologische Dämmstoffe hergestellt werden, die sich in ihrer Dämmwirkung nicht hinter Glaswolle und Co. verstecken müssen. Hanf bietet zudem einen besseren sommerlichen Hitzeschutz als beispielsweise Glaswolle.

Hanf ist in Form von Hanfmatten oder -Rollen und als Stopfhanf bzw. Hanfwolle verfügbar. Das Zuschneiden der Matten quer zu Faser ist schwierig.

14. Wärmedämmung der Außenwand mit der Innendämmung

Ältere Innendämmungen kennen wir alle: Früher dienten Holzvertäfelungen diesem Zweck, in Goethes Weimarer Schlafzimmer hielt dafür ein Wandteppich her. In vielen Fachwerkhäusern schützen unter dem Innenputz liegende Holzwolleplatten vor der Kälte (Sauerkrautplatten). Die Betonbauten hatten bis in die Sechzigerjahre eine Innendämmung der Wände. Wenn die Fassade nicht von außen gedämmt werden kann, z. B. bei Sichtfachwerk, einer Ornamentfassade oder wegen fehlender Grenzabstände, dann ist die Innendämmung sinnvoll. 10 bis 15 % der Heizenergie werden durch eine Innendämmung bei typischen Wohngebäuden eingespart. Angst vor Bauschäden sind bei fachlich richtiger Ausführung unbegründet. Alle Untersuchungen ausgeführter Innendämmungen zeigen, dass es keine besonderen, auf dem System der Innendämmung beruhenden Schäden gibt. Die Innendämmung kann auch nur in einzelnen Zimmern ausgeführt werden.

14.1 Konstruktion

Bei der Innendämmung heißt es nicht nur »dämmen«, sondern auch »dichten«. Genau wie bei anderen Baumaßnahmen sind die Randbedingungen zu beachten, sonst gibt es Schäden. Auf den alten Innenputz werden Dämmplatten aufgeklebt, oder zwischen eine Traglattung verlegt. Hierauf kommt die Innenbekleidung: Sie kann aus einem Nassputz oder Trockenbauplatten bestehen. Auch fertige Verbundplatten aus Dämmstoff und Innenbekleidung sind am Markt. Eine diffusionshemmende Schicht (Dampfsperre/-bremse) ist nur dann erforderlich, wenn die Dämmplatten diese Funktion nicht übernehmen. Hartschaumdämmplatten sind z. B. Dampfbremsschicht und Dämmung in einem.

 

Ganz wichtig: Zwischen Dämmplatten, den Innenwänden und den Geschossdecken oder den Plattenfugen dürfen keine Ritzen verbleiben, in die feuchtwarme Zimmerluft eindringen kann. Ritzen müssen durch Dichtstoffe, wie Spezialklebebänder, PUR-Ortschaum, Silikon oder den Innenputz, verschlossen werden. Schimmelschäden nach Innendämm-Maßnahmen sind selten und beruhen meist auf solchen offenen Fugen zum Innenraum.

 

Bei Betondecken und Betonstürzen, die sehr kalt werden können, ist zu entscheiden, ob das Bauteil durch einen Dämmkeil noch 50 cm weit in den Raum hinein gedämmt wird. Die Fensterlaibungen werden möglichst 1 bis 2 cm stark gedämmt. In der Außenwand liegende Kaltwasserund Heizleitungen müssen auf die Innendämmung verlegt werden. Auch Steckdosen gehören nach vorne verlegt.

 

Wer auf solche Details achtet, hat keine Feuchtigkeit zu befürchten. Im Gegenteil: Innendämmungen werden von Wohnungsbaugesellschaften erfolgreich eingesetzt, um Schimmelschäden zu beheben, weil damit die Bauteiloberfläche wärmer wird.

14.2 Dämmdicke

Empfehlenswert ist für die Innendämmung 6 bis 8 cm Dämmstoffdicke, damit noch genügend Wohnfläche übrig bleibt. Die EnEV fordert seit 2009 einen U-Wert von 0,35 W/(m²K).

 

Die Innendämmung verbessert die Behaglichkeit im Haus, denn die Wandoberfläche wird deutlich wärmer. Dass die Außenwand als Wärmespeicher weitgehend wegfällt, ist unproblematisch, denn 80 % aller Wärmespeichermassen eines Zimmers entfallen in der Regel auf die Innenwände, Decken, Böden und die Einrichtung.

14.3 Dämmstoffe

Für die Innendämmung kann man die üblichen Dämmstoffe einsetzen: Styropor, Polyurethan, Calciumsilikat, Glas und Steinwolle, Holzwolleleichtbauplatten, Holzweichfaserplatten, Schaumglasplatten, Mineralschaumplatten u. a. sind möglich. Die Auswahl ist vor allem eine Preisfrage.

 

Neuere Innendämmplatten, wie Calciumsilikat-, Holzweichfaser-oder Mineralschaumplatten u. a., verzichten auf eine diffusionshemmende Schicht. Hier wird Tauwasser bewusst zugelassen, da es wieder kapillar austrocknen könne. Hier sind die örtlichen Randbedingungen genau zu prüfen.

14.4 Kosten und Wirtschaftlichkeit

Die Kosten liegen für günstige Systeme bei 20 bis 50 Euro pro m² inklusive Innenbekleidung; dabei entfallen 10 bis 25 Euro pro m² auf die Wärmedämmung. Die Amortisationszeit liegt unter 10 Jahren. Die neueren diffusionsoffenen Systeme kosten bis 120 Euro pro m².

14.5 Was tun bei vorhandener Innendämmung?

In den Siebzigerjahren wurden bereits manche Neubauten besser gedämmt. Ein bekannter Wandaufbau um 1970 bestand aus 30 cm Bims-Hohlblocksteinen, die innen mit 2 bis 4 cm Polystyrolplatten (Poresta, Styropor) gedämmt und mit Gipskarton verkleidet wurden. Der Wand-U-Wert lag bei 0,75 W/(m²K). Diese innen gedämmten Wände sind bis heute schadensfrei geblieben. 40 Jahre später fragen viele Hauseigentümer, ob sie ihre Innendämmung mit einer Außendämmung der Wand ergänzen können. Die klare Antwort: Ja, es spricht nichts dagegen. Die äußere Dämmung hält die dahinter liegende Wand inklusive der alten Innendämmung im Winter warm und warme Wasserdampfmoleküle bleiben dampfförmig. Mit einer zusätzlichen Außendämmung entsteht noch mehr Sicherheit vor Feuchteproblemen. Die alte Innendämmung also nicht rausreißen, sondern ihre Dämmwirkung weiter nutzen.

 

Das Land Hessen empfiehlt 12 cm Außendämmung als Vorhangfassade oder Wärmedämmverbundsystem. Spätestens bei steigenden Energiepreisen entsteht das gute Gefühl, richtig entschieden zu haben.

16 Dämmung der Luftschicht von zweischaligen Außenwänden

Häuser mit zweischaligem Mauerwerk finden sich in Hessen zwar seltener als in Norddeutschland, doch es gibt sie. Beim zweischaligen Mauerwerk befindet sich zwischen einer inneren Mauerwerksschale (12–25 cm) und einer äußeren Schale (6–12 cm) eine Luftschicht (6–7,5 cm). Diese kann nachträglich mit Dämmstoff verfüllt werden. Dies geht schnell und ist kostengünstig, allerdings ist die Dämmdicke auf die Luftschicht begrenzt. Die Dämmung des »Luft-Kerns« ist besonders für nach 1960 errichtete Gebäude empfehlenswert. Erst ab diesem Zeitpunkt ist die Luftschicht durchgehend. Nur dünne Edelstahldrahtanker verbinden äußere und innere Mauerwerksschale. Bekannt hierfür ist der Winkelbungalow mit Verblendschalung. Bei älteren Gebäuden aus der Weimarer Zeit oder der unmittelbaren Nachkriegszeit befindet sich die Luftschicht in nur 60 % der Außenwandfläche und eine Kerndämmung ist weniger lohnend. Im Sommer gibt es bei ungedämmtem zweischaligem Mauerwerk oftmals Feuchte- und Stockflecken in kühlen und schlecht belüftbaren Räumen (Speisekammer etc.). Hier schlägt die hohe Außenluftfeuchte durch. Damit macht eine Kerndämmung Schluss.

16.1 Ausführung

Zum Einblasen des Dämmstoffs werden von außen Löcher in die Wetterschale gebohrt und Dämmstoffe eingeblasen. Beim Kleinlochverfahren hat die Bohrung nur 18 bis 24 mm Durchmesser. Bei Sichtmauerwerk werden die Löcher an die Kreuzungsstellen der Fugen gesetzt oder man nimmt einzelne Steine heraus. Bei kleineren Gebäuden braucht es oftmals nur eine Leiter und kein Gerüst, um den Giebel zu erreichen. Das spart Kosten. Untersuchungen zeigten, dass kerngedämmte Wände im Jahresdurchschnitt trockener sind als Wände mit Luftschicht.

16.2 Dämmstoffe

Die Dämmstoffe müssen wasserabweisend (hydrophobiert) sein. Für eine Kerndämmung stehen Steinwolleflocken, Perlitegranulat, Glasgranulat, Polyurethankügelchen und Silikatschaum zur Verfügung. Die Anforderungen der EnEV gelten mit der Verfüllung der jeweiligen Luftschichtdicke nach EnEV als eingehalten. Die Energieeinsparung beträgt für ein Einfamilienhaus zwischen 10 und 15 %, da die Dämmschichtdicke begrenzt ist. Bei steigenden Energiepreisen kann eine Kerndämmung durch eine Außen- oder Innendämmung ergänzt werden. Eine große Untersuchung in Holland bewies schon in den Achtzigerjahren, dass flockige Dämmstoffe und Schäume sich im Laufe der Jahre nicht »setzen«. Die Kerndämmung ist wegen ihrer Funktionstüchtigkeit vom Tauwassernachweis nach DIN 4108 ausgenommen.

16.3 Kosten und Wirtschaftlichkeit

Die Kosten für das Einblasen liegen bei 20 bis 30 Euro pro m². Bei solch geringen Kosten fließt durch die Heizkosteneinsparung das Geld meist innerhalb von 10 Jahren zurück.

Quelle: Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: „Vom (K)althaus zum Energiesparhaus“ (2012)

 

 

17. Film zum Thema

 

 

18. Regionale Beispiele:

Gute Beispiele energetische Sanierung Fuldaer Zeitung
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19. Aktuelles

Spekulationen um die Brandursache beim Grenfell Tower

Die Brandkatastrophe im Westen Londons mit vielen Toten und Verletzten warf hierzulande rasch die Frage aufwarf, wie sicher unsere wärmegedämmten Gebäude bei einem ähnlichen Brandereignis denn wären. Die Spekulationen schossen ins Kraut, vorneweg die Feuerwehren ereiferten sich über die Gefährlichkeit des Dämmstoffs Polystyrol, der bei dem 24-geschossigen Wohnhochhaus überhaupt nicht verbaut war. Wie konnte sich diese Falschinformation so in den Medien festsetzen?


Antworten liefert die aktuelle Ausgabe des  „Gebäude-Energieberater“. Der Verlag hat für diese Seiten die Abo-Bindung aufgehoben, weil ihm die Sache wichtig genug erscheint. Sie finden sich hier als pdf:

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